Interspiritualität

Spiritualität betrachtet unser Dasein in seiner Bezogenheit auf das Ganze, transzendenzbezogen, und wieder rückbezogen auf unser individuelles Leben hier und jetzt. Sinnfragen und die Frage nach dem gelingenden Leben stehen im Mittelpunkt, Fragen nach Vergänglichkeit und Leiden, aber auch nach dem, was bleibt, Glück und Heil-Sein und nicht zuletzt die Frage nach dem eigenen Beitrag zum oder im Leben, zum oder im Ganzen.

Interspiritualität betrachtet diese Fragen nicht in den Grenzen einer religiösen Überzeugung, sondern religions- bzw. konfessionsungebunden. Dahinter steht die Grundannahme, dass wir als Menschen Wahrheit letztlich nicht absolut zu erkennen und zu erfassen vermögen, sondern alle Erkenntnis immer nur eine Annäherung sein kann und unvollkommen bleiben muss, und dass es im Grunde immer so viele verschiedene religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen und Wege gibt, wie Menschen leben, die sich mit der Suche nach Wahrheit und Sinn befassen. Die Suche, Auseinandersetzung und das Bemühen um Erkenntnis, persönliche Erfahrung und vertieftes Verstehen wie auch die Anwendung auf das eigene Leben stehen deshalb im Mittelpunkt, nicht Glaubensüberzeugungen; die gelebte Annäherung an das, was Grund und Selbst zutiefst ausmacht, nicht das Bekenntnis eines Glaubens oder unreflektiert-starre Befolgen von vorgegebenen Glaubensregeln.

Interspirituelle Seelsorge zur Unterstützung der persönlichen spirituellen Entwicklung und Entfaltung orientiert sich dementsprechend ebenfalls nicht einzig an einer religiös-spirituellen oder weisheitlichen Tradition, greift aber durchaus auf die großen Traditionen und ihre Praktiken zurück. Im Kern ist es ein Grundanliegen von Weltanschauung, Religion und Spiritualität, Menschen darin zu unterstützen, Antworten auf die wesentlichen Fragen des Lebens zu finden bzw. diesen näher zu kommen und ein möglichst gelingendes und heiles, also seelisch gesundes und zufriedenes und damit auch glückliches Leben in Einklang mit sich selbst, der Welt und „dem, was diese im Innersten zusammenhält“, führen zu können, individuell und als Gemeinschaft. Unterschiedlich in ihren Schwerpunkten und den erklärenden Konzepten und Bildern, die sie verwenden, geben die religiösen und weltanschaulichen Traditionen uns ihre je eigenen Hilfsmittel hierfür an die Hand, die, dem jeweiligen kulturellen Kontext ihrer Begründung und Entstehung entsprechend ausgebildet, der Entwicklung und Entfaltung des Menschen wie der Menschheit als ethisch ausgerichteter Gemeinschaft in ihrer je eigenen Weise förderlich sein sollen. Sie in ihrer Bildhaftigkeit zu verstehen und mit ihnen umzugehen, ohne diese Bilder und Konzepte als absolut oder die Wahrheit an sich zu betrachten, ist stets aufs Neue eine Herausforderung und bleibt ein Balanceakt, der uns indes dem, was allen und allem zugrunde liegt und innewohnt, dem – in bildlicher Anlehnung an den christlichen Mystiker Meister Eckhart – Urgrund also desto näher bringen kann, je mehr wir nicht zuletzt unsere Eigen- oder Ich-Anteile erkennen und dann auch lassen können.

In diesem Sinne betrachtet brauchen die religiösen Traditionen und die ihnen folgenden Menschen einander auch nicht im Konflikt gegenüber zu stehen, sondern können sich in der Vielfalt ihrer Bilder, seien diese theistisch, nicht-theistisch oder auch atheistisch, ergänzen und befruchten – zum Wohl des Einzelnen wie als Beitrag zu Frieden in und Entfaltung des Gemeinwesens.

Diese Seite ist eine Einladung, sich in diesem Sinne und mit Achtung gegenüber der Vielfalt spiritueller Wege auf Spiritualität einzulassen, sie in das eigene Leben zu integrieren und sich mit grundlegenden Fragen vom Sinn und Gelingen des Lebens über Glück und Leid, Tod und Krankheit, Verantwortung und Schuld bis hin zu Liebe und Mitgefühl ohne festgelegte religiöse Prämissen auseinanderzusetzen.

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